Interview mit EBE Company

Posted: 17th September 2009 by admin in Interviews

Raum 107 im Gespräch mit EBE Company (I-M-G)
So, freut mich Dich jetzt endlich mal im ausführlichen Gespräch zu haben!
Im Grunde braucht man Dich ja nicht lange vorstellen…. Du hast unter anderem Tracks unter Amorc, Anal Cunt und Hardplastic released, hast als DJ über die deutschen Grenzen hinaus aufgelegt und als EBE Company auf gleichnamigem Label viele Scheiben herausgebracht, die besonders die Freunde des Phuture Rave und typischen FFM Sounds erfreut haben.
Gibt es da etwas zu ergänzen? Hab ich was vergessen oder möchtest Du Anmerkungen machen?
Mit dem Vorstellen ist das ja so ne Sache, leider ist die Szene sehr jung geworden – wollte letztens auf einer Hardtechnoseite mal einen neuen Track posten – ey was war das für ein Palaver zum Thema Referenzen und zum Thema Qualität – so auf die Art „wer bist Du denn überhaupt, schicke uns mal 3 gemasterte Tracks in gleicher Qualität und wir stimmen es dann mal ab“. Habe mich da nicht drauf eingelassen – wir haben uns dann nur noch darüber lustig gemacht und uns unseren Teil dazu gedacht. Der Bereich ist mir bis heute verschlossen geblieben, aber wir hatten unseren Spaß dabei.
Stimmt! Mir fällt auch zunehmend auf, dass viele, die im Hardcore und Hardtechno Bereich so nachrücken, kaum noch Bezug zu den deutschen Wurzeln des härteren Techno haben.
Gerade als in den NL fast nur noch Pianokram produziert worden und eben aus FFM unbeirrt straighter Midtempo Sound und wirklich düsterer Core á la Don Demon gekommen ist.
In Hamburg gedieh in einem „Schuhkarton“ wie der Box auch ein völlig eigenständiger Sound und gerade durch die Hinzunahme vieler Ostkombos hat man dem Speedcore in Deutschland eine geniale “Starthilfe” und Plattform geboten.
Findest Du es schade, dass viele sich mit diesen Wurzeln kaum noch beschäftigen oder hältst Du es eher für eine natürliche Angelegenheit, dass dies an vielen einfach so spurlos vorbeigeht? Und, btw. hab ich Dich nicht auch mal in der Box spielen sehen? Mir war so (harhar^^).
Ja, da bin ich deiner Meinung, denke die Geschichte der Musik deren Philosophie man vertritt sollte man schon kennen. Ohne Geschichte, keine Zukunft.
Es gab da mal einen Spruch von Jürgen Laarmann, von 1995 oder so, aus dem ich immer wieder gerne einige Passagen zitiere: „Alt wird heutzutage von jung klein gehalten, er bleibt lieber Zuhause im Studio als sich im Club der zugedröhnten Maße zu präsentieren, denn er weiß, irgendwann kommen die Kinderchen Heim, dann lernen Sie hören, sehen und rauchen vielleicht Ihre Tüte zu Ende..“
The Box… Ja, gehörte zu den dunklen Seiten und wird in meinen Referenzen nicht erwähnt. Habe damals da ne Cold Rush gespielt – da kam der Inhaber, nahm die Platte runter und beschimpfte mich vor dem gefüllten Club was das denn für ein Stricher Sound wäre. Nach mir fing dann DJ Dean (war da noch ein Newcomer) mit einer harten Ruffneck an und entschuldigte sich bei mir für den Clubbesitzer. Er und Shoko haben wohl schnell eingesehen, dass Sie in dem Laden keine Zukunft haben und wechselten in den Tunnel.
Habe später noch zweimal auf anderen Veranstaltungen für den Clubbesitzer gespielt und er respektierte mich dann auch irgendwann mehr oder weniger.
Wo wir gerade bei alten, wegweisenden Klubs und Geschichten sind… Du hast ja damals auch in Chemnitz, Leipzig und Schwerin gespielt. Wie sind da Deine Erinnerungen an den “finsteren” Osten unserer Republik? Ich war ja damals hin und weg von dieser ganzen Entwicklung und Läden wie z.B. dem Busch-Club in Schwerin.
Lach, würde jetzt Schwerin nicht zu dem düsteren, finsteren Osten zählen.
In Schwerin hatte ich einige meiner schönsten Bookings auf sehr großen Veranstaltungen und glaube mir, dort gab es die schönsten Frauen der Republik.
Wenn ich so zurück denke, kann ich dir nicht mal sagen, ob ich überhaupt im Busch Club gespielt habe. Ich war da auf jeden Fall mal als Gast drin – ich werde alt….Müsste R. Kandler mal fragen, der hat damals die Bookings für SN gemacht.
In Karl-Marx-Stadt und Leipzig waren die Veranstaltungen etwas anders, dunkler, schneller und die Partypeople waren sehr undergroundig. Habe damals für die Hakke geschrieben. Dort war es immer wieder ein Familientreffen im „finsteren“ Osten. Da fällt mir auch noch ne Geschichte zu ein:
Mich fragte 1995 mal ein Mädel in Chemnitz wo ich denn herkomme, ich sagte aus Frankfurt, sie sagte: „Das liegt ja schon fast in Polen, Du bist ja ein halber Kurva“ – Ich – „Nö Frankfurt Main, ich bin ein halber Äppler“ – sie hat mich dann später mal in der Weltmetropole Hessen besucht und ist auch nach Frankfurt gezogen, keinen Plan was sie jetzt macht – Sie lebt aber nun nicht mehr in Finsternis….
Du bist auch Finsternis *Prost*
Stimmt… Wobei es hier in Ostberlin gar nicht sooo finster ist! Der Osten sieht immer noch nicht aus wie der Westen aber dafür der Westen immer mehr wie der Osten *lach* …
Was war musikalisch Deine persönliche “Techno-Einstiegsdroge” und gibt es irgendwelche DJs/Produzenten die Du als “Vorbilder” bezeichnen würdest?
Ja, also als Milestones die mich zum Djing brachten würde ich Fenslau’s Mr. Vain, Marc..s Konstablerwache und Luca..s Snap! Projekt verantwortlich zeichnen. Aufmerksam auf den Technosound wurde ich 1991 als 14 jähriger durch Fenslau..s „Schwarzen Zone“ und dies war auch mein erstes Vinyl
Ist immer so eine Sache ein Vorbild zu haben, man fängt da zu schnell an den zu versuchen den gleichen Sound für wie sein Vorbild zu produzieren, ich sage es mal so – Miro, Promo und The Mover haben meinen Style früher sehr beeinflusst und ich fand ihre Produktionen echt sehr, sehr geil. Heute finde ich z.B. den Style von P. Nitschke, M. Hartmann, Bartosz und F. Nitzinsky & N. Wessels sehr ansprechend.
Aber als Vorbilder würde ich z.B. Luca Anzilotti, (mittlerweile ein guter bekannter geworden und wenn wir uns sehen, lerne ich immer noch sehr viel dazu) und das Team Valicon zählen.
Kamst Du übers Auflegen zum selber Produzieren oder war es umgekehrt? Und auf welchen Geräten hast Du damals Deine ersten Gehversuche betrieben?
Ja, ich habe erst aufgelegt und merkte 1995, nach der Love Parade habe ich als DJ schon sehr viel erreicht. Neue Herausforderungen müssen her!
Da lief mit Rocco über den Weg und wir gründeten das Projekt Anal Cunt und unser erstes Vinyl, die Strike 13, wurde durch das Design (die Picture Vinyl wurde vom Zoll als Pornografie eingestuft und es gab große Probleme die Scheibe nach Deutschland zu bekommen) ein richtiger Verkaufsschlager. Wenn Du mich heute nach dem Sound auf der Scheibe fragen würdest, würde ich aus Scharm rot werden.
Mein ersten DJ Auftritt hatte ich 1992 in einem Zeltlager in Wangerooge. Ein DJ wurde gesucht, da dachte ich mir, dass schaue ich mir mal an. Am nächsten Tag stand gar nicht mehr zur Diskussion wer denn da uns Kiddis beschallen sollte. Zurück @ home habe ich mir gleich von meinem Zeitungsgeld einen Plattenspieler gekauft ein paar Monate später den zweiten… und DJ Sparky war geboren.
Meine ersten Geräte nach dem Amiga 500 waren der Roland Juno 106, ein Emu ESI32 Sampler, eine Novation Drumstation, ein Spirit Folio Mixer (Hammer für die Bassdrums) und ein Atari 520ST mit Cubase.
Ach naja, also ich denke “Anal Cunt” haben allein von der Klangqualität gut in Ihre Zeit gepasst. Ich mein hör Dir die ganzen “Out of order” Scheiben oder meinetwegen auch den E-De-Cologne Kram an. Ich denke da hat niemand durch bombastische Studioquali geglänzt. Jesus… wenn ich da an die ganzen Juncalor Pressungen denke ;) Aber wo war da für Dich der Schnitt zwischen Anal Cunt oder den Amorc Tracks und der Hinwendung zu eben genau dem Phuture Sound, der letzten Endes auch so einprägsam für die EBE Company geworden ist?
Der Schnitt war 1996 am „Virtual Capital Weekend“ im Berliner Bunker. „Anal Cunt“ war damals als Live Act und Sparky als DJ gebucht. Wir sind am Samstagmorgen von Nidda nach Berlin in einem roten Golf II „gehackt“. Am Bunker angekommen warteten schon der Veranstalter Radiso und Xol Dog 400 um uns zu erläuterten, dass der Bunker heute von der Stadt Berlin geschlossen worden ist. Einmal for free nach Berlin – ich kaufte mir nach der Aktion gleich ein Mobiltelefon! Rocco sah zu der Zeit leider durch die Aktion keinen Sinn mehr und zog sich aus der Szene zurück – der Amiga 8bit Shit Act „Anal Cunt“ stand somit vor dem Ende. Ich startete EBE Company und konnte dann soundtechnisch mit einem Midistudio neu anfangen. Es war göttlich dann eine saubere Fläche in seinen Tracks zu verarbeiten, also nutzte ich es auch aus.
Vor 2 Wochen habe ich im Keller eine CD mit unreleased Tracks von Anal Cunt aus dem Jahre 1995/96 gefunden, denke werde die Tracks mal Mastern und eventuell zum Download bereitstellen – war für mich eine Zeitreise und doch sehr interessant, was man aus 4 Spuren doch so rausholen konnte.
Ob als DJ oder Live-Act….. Du warst früher ja sehr aktiv und hast auf vielen namenhaften Parties und Clubs gespielt. Was waren so Deine persönlichen Highlights an die Du Dich heute noch gern zurückerinnerst?
Es gibt da zwei Veranstaltungen die mir im Kopf rumspucken. Das Highlight war die Spätschicht in Schwerin. Ich hatte da einen Live Act zwischen Dean und Mellow Trax in der ausverkauften Schweriner Kongresshalle und der Core hat die Halle nicht geleert!
Mein zweites Highlight hatte ich 1995 auf der Loveparade im Bunker, ich musste an dem Abend von 23 Uhr bis 2 Uhr im Mainfloor spielen. Geplant war eigentlich eine Stunde und ich hatte auch nicht so viel Vinyl am Start… da habe ich das erste mal meine Platten richtig kennen- und die B-Seiten sehr zu schätzen gelernt.
005 kam, glaube ich, die letzte Scheibe auf EBE raus. Hat es sich nicht mehr gelohnt das Label weiterzuführen oder hing das mit den Schwierigkeiten zusammen von denen ja leider Gottes Phuture Rave im Land der Fish & Chips langsam betroffen war?
Phuture Rave hat sich entschieden keine Fremdlabels mehr zu vermarkten und somit ist EBE Company Records nun ohne Vertrieb. Leider ist es nicht so leicht ein Label unterzubringen bzw. ich habe es auch noch nicht wirklich versucht – mein Hauptanliegen wird jetzt erst mal wieder sein, amtliche Tracks zu produzieren und mich dann eventuell um die Wiederbelebung von EBE Company Records kümmern.
Eine Regeneration vom EBE Label wäre natürlich phätt, gerade wenn man sich die deutsche Labellandschaft im Core Bereich heute so anschaut (weswegen es auch so gut ist, dass ambitionierte junge Label wie Important Corestyle frischen Wind bringen). Würdest Du dann auch wieder auf Vinyl releasen?
Sicher, schau mal – ich habe letztens mitbekommen wie ein 14 Jähriger das erste Mal eine Vinyl in der Hand hatte und vom Glauben abgefallen ist, dass man die Scheibe auch auf der Rückseite spielen konnte.
Ich selbst empfinde Vinyl als Mehrwert in der Musikbranche und wenn ich einen Vertrieb finde, der mir zusagt, wird EBE Company Records eventuell auch nicht auf der EBE16 (DJ Daisy) das letzte Mal seine Philosophie auf Plastik wiedergespiegelt haben.
Man hat ja lange Zeit nichts mehr von Dir gehört und nun bist Du quasi wieder „vertreten“. Du hast bei IMG gesigned und auch einen verdammt guten Remix zur “New Testament” von KPAX auf Important Corestyle beigesteuert. Was hast Du in dieser längeren Pause getrieben? Woher Deine neuen Ambitionen und wie kam der Deal mit IMG zustande?
Was ich getrieben habe, ganz einfach – ICH WAR VERHEIRATET ;)
Ich habe dann 2004 eine Szene vorgefunden, die politisch in kein schöne Richtung gerudert ist, also zwei no go..s!
Im März 2007 hat mich Cindy von Promode angeschrieben, weil sie eine German Hardcore History Party plante. Ich habe mich lange geziert, aber war am Ende froh zugesagt zu haben.
Im Sommer letzten Jahres wurde ich auf die q-base eingeladen und wurde im TTM, Genosha und Atillery Bunker, so vom Sound einigen Artists fasziniert, da hat‘s mir richtig in den Fingern gejuckt.
Bevor Du mich fragst, ob ich in der Zeit von 2004-2008 produziert habe – Ja. habe ich, aber keinen Techno – ich brauchte nicht, ich wollte das Geld!
Sushi(Corestyle) fragte mich ob ich einen RMX für ein neues Label machen könnte. “Ja, sicher”, war meine Antwort – für sowas bin ich gerne zu haben und 3 Wochen später hatte er den Track – am Anfang war ich nicht ganz von dem RMX von „New Testament“ überzeugt. Ich fand das Original wesentlich besser, doch so langsam finde ich der RMX kann wirklich was.
Ich habe dann auf einer Veranstaltung die Jungs von I-M-G getroffen und da kamen wir auf das Thema Management. Zwei Tage später meldete sich Patrick von I-M-G, Verträge wurden definiert und nun bin ich Teil dieser Familie.
Politisch in keine schöne Richtung….. Meinst Du damit die Entwicklung, die sich ja eigentlich mehr oder weniger nur im Pott vollzogen hat?
Also diese Hinwendung, allein rein optisch zu Klamotten die eher aus der Skinhead Szene stammen und somit auch Leute anzog (von den Hools ja nicht zu sprechen, denn die gab’s ja in den NL von Anbeginn an), die auf Parties auch mal keine Probleme hatten den rechten Arm zu heben? Im Osten und auch in HH hat sich das ja alles ins Gegenteil verkehrt, also das eine Vereinnahmung von Links durchaus stattgefunden hat (gerade durch den Breakcore etc.). Dabei sollte das doch alles Musik sein, die jenseits von politischen Extremen, Menschen zusammenführt, anstatt zu trennen. Das stimmt mich heute noch sehr nachdenklich und irgendwie auch manchmal wehmütig.
Nicht nur… Ob rechts oder links, mich ärgern Leute, die 88 Hemden tragen genauso, wie Leute die Shirts „gegen Nazis“ tragen. Im Grunde denke beide ziemlich gleich – in der Art „was anders ist als ich, passt nicht in mein Weltbild“. Ich denke im Techno geht es um Emotionen, Spaß, den Austritt aus der Realität und das Eintauchen in eine andere Dimension wo Sound, Light und Rhythmus den Ton angeben.
Da hat Politik wirklich nichts zu suchen!
Das hast Du jetzt aber schön gesagt und darauf öffne ich mir mal ein Bier! *Prooost*
Darf ich das bei gegebenem Anlass mal als authentifiziertes Zitat nutzen? ;)
Gerne, aber sei bitte vorsichtig bei Verwendung und dem Zusammenhang!
Ich kann mir bei meinen geringen Gagen keine eigene Security leisten.
Hahaha, keine Angst ;)
Auch wenn Phuture Rave sicherlich ein eher rarer Style ist, so ist er ja seit Jahren immer irgendwie vertreten gewesen und viele Elemente findet man ja auch im sogenannten “Industrial-Core” wieder. Darf man diesbezüglich hoffen, dass da der ein oder andere melancholisch, darke Knaller aus Deiner Feder erscheint? Wie siehst Du da Deine eigene Entwicklung und wo möchtest Du hin?
Sehr schwere Frage – ich habe eigentlich zu meinen Phuture Zeiten Emotionen, Liebeskummer, „warten auf die Apokalypse“ im Mix mit zu viel THC in meinen Tracks verarbeitet. Mir fehlt heutzutage der Bestandteil THC und so ist es für mich sehr schwer mich in dem Style wieder zurechtzufinden bzw. macht dies fast unmöglich.
Ich habe die Tage erst bei Wikipedia gelesen, man hält mich mit Marc und Miro für einen der prägenden Doomcore Produzenten. Dies hat mich zwar sehr stolz gemacht, aber bin ehrlich und denke, dass ich zusammen mit R.Russino einige sehr geile Mellows geschrieben habe. Ich ziehe derzeit einen Mix aus Hardtechno, Hardcore und Industrial-Techno vor und würde gerne mal auf „The Dome“ spielen
Mal schauen was die Zukunft so bringen wird. 70% meiner Doomcore Tracks sind aus Liebeskummer entstanden…
k, natürlich wünsch ich Dir jetzt keinen weiteren Liebeskummer, nur um in den Genuss geiler EBE Melos zu kommen ;) Wobei es durchaus seine Berechtigung hat, dass Du eben neben Marc, Miro oder auch Robert Friese genannt wirst, da Du eben diesem Stil zu einer Zeit gefrönt hast, wo ja auch die deutschen Produzenten (egal wie wegweisend) an einer, vielleicht auch zwei Händen abzuzählen waren. Nicht viele haben ein gutes Händchen für diesen zeitlosen Stil und ich hoffe (als Unverbesserlicher), dass wir da von Dir durchaus gute Symbiosen erwarten können.
Aber… nochmal gefragt… können wir hoffen? *lach*
Also, ich denke Du hast gute Chancen. Warte es mal ab, aber versprechen kann ich da nichts – wie schon erwähnt mir fehlt ne wichtige Substanz.
Der Zeitlose Stil, genau dies macht die alte Schule aus – hör Dir mal die meisten heutigen Scheiben und stell Dir mal vor wie diese in 10 Jahren wirken – am Wichtigsten war mir immer Sounds zu finden, die nicht gerade dem Zeitgeist entsprechen. Roland Geräte waren da ideale Hilfsmittel.
Da geb ich Dir vollkommen Recht! Ich bemerke auch immer wieder, wie verbissen einige darauf bedacht sind, klanglich auf Biegen und Brechen “modern” zu erscheinen. Meiner Ansicht nach die falsche Herangehensweise. Das vermittelt den Eindruck, als sei diese Musik ausschließlich nur an diese Zeit gebunden. Natürlich haben sich die Mittel verbessert, aber wirklich guten Tracks erkennt man das Alter oft gar nicht an und sie sind halt einfach immer hörbar.
Mit was bist Du heute studiotechnisch ausgerüstet?
Habe mein analoges Studio bei Ebay verkauft. Du hättest fast die ganze Rolandschiene bei mir bekommen können. Ich nutze derzeit zum Produzieren:
Cubase 4.5
Oxygen 8
Nocturne
Alesis Monitor 1
Habe 1995 mit MT auf Amiga 1200 angefangen und bin 1997 zu Emagic Logic Audio gewechselt. Als Logic für den PC nicht mehr weiterentwickelt wurde, habe ich mir Fruity Loops zugelegt, aber nach 3 Monaten wieder bei Ebay verkauft – leicht zu bedienen aber für Produzenten, die auch mal was anderes als schmutzigen Techno produzieren wollen nicht wirklich optimal. Danach hab ich mir dann Cubase zugelegt und diesem Programm die Stange gehalten.
Ich muss aber sagen, die analogen Geräte klangen Wärmer und haben sich in den Mixen wesentlich besser durchsetzten können als die meisten VST Plugins. Ich vermisse besonders meine Microwave 2, Roland JP 8000 und den Roland MKS 50 um ganz ehrlich zu sein.
Was die analogen Geräte betrifft, versteh ich Dich sehr gut! Ich fummle ja auch lieber….
Legst Du das Hauptgewicht eher wieder aufs Produzieren oder können wir mit Dir als DJ genauso rechnen in Zukunft?
Mein Hauptgewicht wird auf dem Produzieren liegen. Werde als DJ EBE Company zukünftig zu buchen sein, mein Style wird sich da zwischen Atillery, TTM, Genosha und IS bewegen.
Ich werde versuchen nicht mehr als 8-12 Bookings im Jahr als DJ bzw. Live wahrzunehmen, um das Produzieren nicht zu sehr zu vernachlässigen.
Gibt es irgendwen mit dem Du gerne in Zukunft etwas zusammen machen würdest oder sind evtl. schon einige Projekte geplant?
Ja, so einiges mit der Gabber Front Berlin, The Massacre, Jensen, Lowtek, Stromtrooper, Slavefriese und Lord Nord (Nordcore) sind bisher RMX Projekte geplant. Ich bin selbst auf die Ergebnisse sehr gespannt.
Immer mehr geht Digital über die Bühne und es wird immer weniger Vinyl produziert, gerade hier in Deutschland! Wie betrachtest Du diese Entwicklung?
Ich steuere leider dieser Entwicklung entgegen, indem ich angefangen habe als CD DJ zu werkeln. Du kannst so deine eigenen Sets Produzieren und spielst Tracks von deinen befreundeten Artists ohne auf das Vinyl zu warten – mir gefällt diese Entwicklung schon alleine aus Sicht der Raubkopien gar nicht, aber gibt es denn Alternativen?
Alternativen….. Naja, aufhalten kann man (manchmal leider) eh keine Entwicklung im technischen Bereich und ich musste meine Einstellung, gewissen Medien gegenüber auch schon mehrmals überdenken. Bleibt zu hoffen, dass immer noch genügend DJs aufs gute alte Vinyl und den Silberling zurückreifen, damit das nicht ausstirbt. Wobei man beim schwarzen Gold sicherlich mehr Bammel haben muss, als bei einer CD.
Das schicke Gespräch hat mich auf jeden Fall sehr gefreut und ich hoffe, diese Freude springt beim Lesen auch auf andere über!
Möchtest Du abschließend noch etwas loswerden? Altersweisheiten? Drogenwarnungen?
Als jemand der seit 1992 in der Technoszene unterwegs ist und noch nicht in den Genuss von chemischen Drogen gekommen ist, kann ich da schon mal keine wirkliche Warnung aussprechen.
Weisheiten? „Mache dich niemals zur Hure der Musikbranche!“
Denke, wenn man sich an diese Regel hält wird man auch erfolgreich sein und behält seinen eigenen Style der die Trends übersteht.
Das Interview hat mir auch sehr viel Spaß gemacht, Danke für Euer Interesse an meiner Person.
Danke Dir auch und bis zum nächsten Bier in der „Realität“

Raum 107 im Gespräch mit EBE Company (I-M-G)

So, freut mich Dich jetzt endlich mal im ausführlichen Gespräch zu haben!

Im Grunde braucht man Dich ja nicht lange vorstellen…. Du hast unter anderem Tracks unter Amorc, Anal Cunt und Hardplastic released, hast als DJ über die deutschen Grenzen hinaus aufgelegt und als EBE Company auf gleichnamigem Label viele Scheiben herausgebracht, die besonders die Freunde des Phuture Rave und typischen FFM Sounds erfreut haben.Gibt es da etwas zu ergänzen? Hab ich was vergessen oder möchtest Du Anmerkungen machen?

Mit dem Vorstellen ist das ja so ne Sache, leider ist die Szene sehr jung geworden – wollte letztens auf einer Hardtechnoseite mal einen neuen Track posten – ey was war das für ein Palaver zum Thema Referenzen und zum Thema Qualität – so auf die Art „wer bist Du denn überhaupt, schicke uns mal 3 gemasterte Tracks in gleicher Qualität und wir stimmen es dann mal ab“. Habe mich da nicht drauf eingelassen – wir haben uns dann nur noch darüber lustig gemacht und uns unseren Teil dazu gedacht. Der Bereich ist mir bis heute verschlossen geblieben, aber wir hatten unseren Spaß dabei.

Stimmt! Mir fällt auch zunehmend auf, dass viele, die im Hardcore und Hardtechno Bereich so nachrücken, kaum noch Bezug zu den deutschen Wurzeln des härteren Techno haben. Gerade als in den NL fast nur noch Pianokram produziert worden und eben aus FFM unbeirrt straighter Midtempo Sound und wirklich düsterer Core á la Don Demon gekommen ist.
In Hamburg gedieh in einem „Schuhkarton“ wie der Box auch ein völlig eigenständiger Sound und gerade durch die Hinzunahme vieler Ostkombos hat man dem Speedcore in Deutschland eine geniale “Starthilfe” und Plattform geboten.

Findest Du es schade, dass viele sich mit diesen Wurzeln kaum noch beschäftigen oder hältst Du es eher für eine natürliche Angelegenheit, dass dies an vielen einfach so spurlos vorbeigeht? Und, btw. hab ich Dich nicht auch mal in der Box spielen sehen? Mir war so (harhar^^).

Ja, da bin ich deiner Meinung, denke die Geschichte der Musik deren Philosophie man vertritt sollte man schon kennen. Ohne Geschichte, keine Zukunft. Es gab da mal einen Spruch von Jürgen Laarmann, von 1995 oder so, aus dem ich immer wieder gerne einige Passagen zitiere: „Alt wird heutzutage von jung klein gehalten, er bleibt lieber Zuhause im Studio als sich im Club der zugedröhnten Maße zu präsentieren, denn er weiß, irgendwann kommen die Kinderchen Heim, dann lernen Sie hören, sehen und rauchen vielleicht Ihre Tüte zu Ende..“

The Box… Ja, gehörte zu den dunklen Seiten und wird in meinen Referenzen nicht erwähnt. Habe damals da ne Cold Rush gespielt – da kam der Inhaber, nahm die Platte runter und beschimpfte mich vor dem gefüllten Club was das denn für ein Stricher Sound wäre. Nach mir fing dann DJ Dean (war da noch ein Newcomer) mit einer harten Ruffneck an und entschuldigte sich bei mir für den Clubbesitzer. Er und Shoko haben wohl schnell eingesehen, dass Sie in dem Laden keine Zukunft haben und wechselten in den Tunnel.

Habe später noch zweimal auf anderen Veranstaltungen für den Clubbesitzer gespielt und er respektierte mich dann auch irgendwann mehr oder weniger.

Wo wir gerade bei alten, wegweisenden Klubs und Geschichten sind… Du hast ja damals auch in Chemnitz, Leipzig und Schwerin gespielt. Wie sind da Deine Erinnerungen an den “finsteren” Osten unserer Republik? Ich war ja damals hin und weg von dieser ganzen Entwicklung und Läden wie z.B. dem Busch-Club in Schwerin.

Lach, würde jetzt Schwerin nicht zu dem düsteren, finsteren Osten zählen.  In Schwerin hatte ich einige meiner schönsten Bookings auf sehr großen Veranstaltungen und glaube mir, dort gab es die schönsten Frauen der Republik. Wenn ich so zurück denke, kann ich dir nicht mal sagen, ob ich überhaupt im Busch Club gespielt habe. Ich war da auf jeden Fall mal als Gast drin – ich werde alt….Müsste R. Kandler mal fragen, der hat damals die Bookings für SN gemacht.
In Karl-Marx-Stadt und Leipzig waren die Veranstaltungen etwas anders, dunkler, schneller und die Partypeople waren sehr undergroundig. Habe damals für die Hakke geschrieben. Dort war es immer wieder ein Familientreffen im „finsteren“ Osten. Da fällt mir auch noch ne Geschichte zu ein:

Mich fragte 1995 mal ein Mädel in Chemnitz wo ich denn herkomme, ich sagte aus Frankfurt, sie sagte: „Das liegt ja schon fast in Polen, Du bist ja ein halber Kurva“ – Ich – „Nö Frankfurt Main, ich bin ein halber Äppler“ – sie hat mich dann später mal in der Weltmetropole Hessen besucht und ist auch nach Frankfurt gezogen, keinen Plan was sie jetzt macht – Sie lebt aber nun nicht mehr in Finsternis….

Du bist auch Finsternis *Prost*

Stimmt… Wobei es hier in Ostberlin gar nicht sooo finster ist! Der Osten sieht immer noch nicht aus wie der Westen aber dafür der Westen immer mehr wie der Osten *lach* …Was war musikalisch Deine persönliche “Techno-Einstiegsdroge” und gibt es irgendwelche DJs/Produzenten die Du als “Vorbilder” bezeichnen würdest?

Ja, also als Milestones die mich zum Djing brachten würde ich Fenslau’s Mr. Vain, Marc..s Konstablerwache und Luca..s Snap! Projekt verantwortlich zeichnen. Aufmerksam auf den Technosound wurde ich 1991 als 14 jähriger durch Fenslau..s „Schwarzen Zone“ und dies war auch mein erstes Vinyl
Ist immer so eine Sache ein Vorbild zu haben, man fängt da zu schnell an den zu versuchen den gleichen Sound für wie sein Vorbild zu produzieren, ich sage es mal so – Miro, Promo und The Mover haben meinen Style früher sehr beeinflusst und ich fand ihre Produktionen echt sehr, sehr geil. Heute finde ich z.B. den Style von P. Nitschke, M. Hartmann, Bartosz und F. Nitzinsky & N. Wessels sehr ansprechend.
Aber als Vorbilder würde ich z.B. Luca Anzilotti, (mittlerweile ein guter bekannter geworden und wenn wir uns sehen, lerne ich immer noch sehr viel dazu) und das Team Valicon zählen.

Kamst Du übers Auflegen zum selber Produzieren oder war es umgekehrt? Und auf welchen Geräten hast Du damals Deine ersten Gehversuche betrieben?

Ja, ich habe erst aufgelegt und merkte 1995, nach der Love Parade habe ich als DJ schon sehr viel erreicht. Neue Herausforderungen müssen her! Da lief mit Rocco über den Weg und wir gründeten das Projekt Anal Cunt und unser erstes Vinyl, die Strike 13, wurde durch das Design (die Picture Vinyl wurde vom Zoll als Pornografie eingestuft und es gab große Probleme die Scheibe nach Deutschland zu bekommen) ein richtiger Verkaufsschlager. Wenn Du mich heute nach dem Sound auf der Scheibe fragen würdest, würde ich aus Scharm rot werden. Mein ersten DJ Auftritt hatte ich 1992 in einem Zeltlager in Wangerooge. Ein DJ wurde gesucht, da dachte ich mir, dass schaue ich mir mal an. Am nächsten Tag stand gar nicht mehr zur Diskussion wer denn da uns Kiddis beschallen sollte. Zurück @ home habe ich mir gleich von meinem Zeitungsgeld einen Plattenspieler gekauft ein paar Monate später den zweiten… und DJ Sparky war geboren.
Meine ersten Geräte nach dem Amiga 500 waren der Roland Juno 106, ein Emu ESI32 Sampler, eine Novation Drumstation, ein Spirit Folio Mixer (Hammer für die Bassdrums) und ein Atari 520ST mit Cubase.

Ach naja, also ich denke “Anal Cunt” haben allein von der Klangqualität gut in Ihre Zeit gepasst. Ich mein hör Dir die ganzen “Out of order” Scheiben oder meinetwegen auch den E-De-Cologne Kram an. Ich denke da hat niemand durch bombastische Studioquali geglänzt. Jesus… wenn ich da an die ganzen Juncalor Pressungen denke ;) Aber wo war da für Dich der Schnitt zwischen Anal Cunt oder den Amorc Tracks und der Hinwendung zu eben genau dem Phuture Sound, der letzten Endes auch so einprägsam für die EBE Company geworden ist?

Der Schnitt war 1996 am „Virtual Capital Weekend“ im Berliner Bunker. „Anal Cunt“ war damals als Live Act und Sparky als DJ gebucht. Wir sind am Samstagmorgen von Nidda nach Berlin in einem roten Golf II „gehackt“. Am Bunker angekommen warteten schon der Veranstalter Radiso und Xol Dog 400 um uns zu erläuterten, dass der Bunker heute von der Stadt Berlin geschlossen worden ist. Einmal for free nach Berlin – ich kaufte mir nach der Aktion gleich ein Mobiltelefon! Rocco sah zu der Zeit leider durch die Aktion keinen Sinn mehr und zog sich aus der Szene zurück – der Amiga 8bit Shit Act „Anal Cunt“ stand somit vor dem Ende. Ich startete EBE Company und konnte dann soundtechnisch mit einem Midistudio neu anfangen. Es war göttlich dann eine saubere Fläche in seinen Tracks zu verarbeiten, also nutzte ich es auch aus. Vor 2 Wochen habe ich im Keller eine CD mit unreleased Tracks von Anal Cunt aus dem Jahre 1995/96 gefunden, denke werde die Tracks mal Mastern und eventuell zum Download bereitstellen – war für mich eine Zeitreise und doch sehr interessant, was man aus 4 Spuren doch so rausholen konnte.

Ob als DJ oder Live-Act….. Du warst früher ja sehr aktiv und hast auf vielen namenhaften Parties und Clubs gespielt. Was waren so Deine persönlichen Highlights an die Du Dich heute noch gern zurückerinnerst?

Es gibt da zwei Veranstaltungen die mir im Kopf rumspucken. Das Highlight war die Spätschicht in Schwerin. Ich hatte da einen Live Act zwischen Dean und Mellow Trax in der ausverkauften Schweriner Kongresshalle und der Core hat die Halle nicht geleert!

Mein zweites Highlight hatte ich 1995 auf der Loveparade im Bunker, ich musste an dem Abend von 23 Uhr bis 2 Uhr im Mainfloor spielen. Geplant war eigentlich eine Stunde und ich hatte auch nicht so viel Vinyl am Start… da habe ich das erste mal meine Platten richtig kennen- und die B-Seiten sehr zu schätzen gelernt.

2005 kam, glaube ich, die letzte Scheibe auf EBE raus. Hat es sich nicht mehr gelohnt das Label weiterzuführen oder hing das mit den Schwierigkeiten zusammen von denen ja leider Gottes Phuture Rave im Land der Fish & Chips langsam betroffen war?

Phuture Rave hat sich entschieden keine Fremdlabels mehr zu vermarkten und somit ist EBE Company Records nun ohne Vertrieb. Leider ist es nicht so leicht ein Label unterzubringen bzw. ich habe es auch noch nicht wirklich versucht – mein Hauptanliegen wird jetzt erst mal wieder sein, amtliche Tracks zu produzieren und mich dann eventuell um die Wiederbelebung von EBE Company Records kümmern.

Eine Regeneration vom EBE Label wäre natürlich phätt, gerade wenn man sich die deutsche Labellandschaft im Core Bereich heute so anschaut (weswegen es auch so gut ist, dass ambitionierte junge Label wie Important Corestyle frischen Wind bringen). Würdest Du dann auch wieder auf Vinyl releasen?

Sicher, schau mal – ich habe letztens mitbekommen wie ein 14 Jähriger das erste Mal eine Vinyl in der Hand hatte und vom Glauben abgefallen ist, dass man die Scheibe auch auf der Rückseite spielen konnte.

Ich selbst empfinde Vinyl als Mehrwert in der Musikbranche und wenn ich einen Vertrieb finde, der mir zusagt, wird EBE Company Records eventuell auch nicht auf der EBE16 (DJ Daisy) das letzte Mal seine Philosophie auf Plastik wiedergespiegelt haben.

Man hat ja lange Zeit nichts mehr von Dir gehört und nun bist Du quasi wieder „vertreten“. Du hast bei IMG gesigned und auch einen verdammt guten Remix zur “New Testament” von KPAX auf Important Corestyle beigesteuert. Was hast Du in dieser längeren Pause getrieben? Woher Deine neuen Ambitionen und wie kam der Deal mit IMG zustande?

Was ich getrieben habe, ganz einfach – ICH WAR VERHEIRATET ;) Ich habe dann 2004 eine Szene vorgefunden, die politisch in kein schöne Richtung gerudert ist, also zwei no go..s! Im März 2007 hat mich Cindy von Promode angeschrieben, weil sie eine German Hardcore History Party plante. Ich habe mich lange geziert, aber war am Ende froh zugesagt zu haben. Im Sommer letzten Jahres wurde ich auf die q-base eingeladen und wurde im TTM, Genosha und Atillery Bunker, so vom Sound einigen Artists fasziniert, da hat‘s mir richtig in den Fingern gejuckt.
Bevor Du mich fragst, ob ich in der Zeit von 2004-2008 produziert habe – Ja. habe ich, aber keinen Techno – ich brauchte nicht, ich wollte das Geld!

Sushi(Corestyle) fragte mich ob ich einen RMX für ein neues Label machen könnte. “Ja, sicher”, war meine Antwort – für sowas bin ich gerne zu haben und 3 Wochen später hatte er den Track – am Anfang war ich nicht ganz von dem RMX von „New Testament“ überzeugt. Ich fand das Original wesentlich besser, doch so langsam finde ich der RMX kann wirklich was.

Ich habe dann auf einer Veranstaltung die Jungs von I-M-G getroffen und da kamen wir auf das Thema Management. Zwei Tage später meldete sich Patrick von I-M-G, Verträge wurden definiert und nun bin ich Teil dieser Familie.

Politisch in keine schöne Richtung….. Meinst Du damit die Entwicklung, die sich ja eigentlich mehr oder weniger nur im Pott vollzogen hat?

Also diese Hinwendung, allein rein optisch zu Klamotten die eher aus der Skinhead Szene stammen und somit auch Leute anzog (von den Hools ja nicht zu sprechen, denn die gab’s ja in den NL von Anbeginn an), die auf Parties auch mal keine Probleme hatten den rechten Arm zu heben? Im Osten und auch in HH hat sich das ja alles ins Gegenteil verkehrt, also das eine Vereinnahmung von Links durchaus stattgefunden hat (gerade durch den Breakcore etc.). Dabei sollte das doch alles Musik sein, die jenseits von politischen Extremen, Menschen zusammenführt, anstatt zu trennen. Das stimmt mich heute noch sehr nachdenklich und irgendwie auch manchmal wehmütig.

Nicht nur… Ob rechts oder links, mich ärgern Leute, die 88 Hemden tragen genauso, wie Leute die Shirts „gegen Nazis“ tragen. Im Grunde denke beide ziemlich gleich – in der Art „was anders ist als ich, passt nicht in mein Weltbild“. Ich denke im Techno geht es um Emotionen, Spaß, den Austritt aus der Realität und das Eintauchen in eine andere Dimension wo Sound, Light und Rhythmus den Ton angeben.

Da hat Politik wirklich nichts zu suchen!

Das hast Du jetzt aber schön gesagt und darauf öffne ich mir mal ein Bier! *Prooost*

Darf ich das bei gegebenem Anlass mal als authentifiziertes Zitat nutzen? ;)

Gerne, aber sei bitte vorsichtig bei Verwendung und dem Zusammenhang!

Ich kann mir bei meinen geringen Gagen keine eigene Security leisten.

Hahaha, keine Angst ;)

Auch wenn Phuture Rave sicherlich ein eher rarer Style ist, so ist er ja seit Jahren immer irgendwie vertreten gewesen und viele Elemente findet man ja auch im sogenannten “Industrial-Core” wieder. Darf man diesbezüglich hoffen, dass da der ein oder andere melancholisch, darke Knaller aus Deiner Feder erscheint? Wie siehst Du da Deine eigene Entwicklung und wo möchtest Du hin?

Sehr schwere Frage – ich habe eigentlich zu meinen Phuture Zeiten Emotionen, Liebeskummer, „warten auf die Apokalypse“ im Mix mit zu viel THC in meinen Tracks verarbeitet. Mir fehlt heutzutage der Bestandteil THC und so ist es für mich sehr schwer mich in dem Style wieder zurechtzufinden bzw. macht dies fast unmöglich.

Ich habe die Tage erst bei Wikipedia gelesen, man hält mich mit Marc und Miro für einen der prägenden Doomcore Produzenten. Dies hat mich zwar sehr stolz gemacht, aber bin ehrlich und denke, dass ich zusammen mit R.Russino einige sehr geile Mellows geschrieben habe. Ich ziehe derzeit einen Mix aus Hardtechno, Hardcore und Industrial-Techno vor und würde gerne mal auf „The Dome“ spielen

Mal schauen was die Zukunft so bringen wird. 70% meiner Doomcore Tracks sind aus Liebeskummer entstanden…

k, natürlich wünsch ich Dir jetzt keinen weiteren Liebeskummer, nur um in den Genuss geiler EBE Melos zu kommen ;) Wobei es durchaus seine Berechtigung hat, dass Du eben neben Marc, Miro oder auch Robert Friese genannt wirst, da Du eben diesem Stil zu einer Zeit gefrönt hast, wo ja auch die deutschen Produzenten (egal wie wegweisend) an einer, vielleicht auch zwei Händen abzuzählen waren. Nicht viele haben ein gutes Händchen für diesen zeitlosen Stil und ich hoffe (als Unverbesserlicher), dass wir da von Dir durchaus gute Symbiosen erwarten können.

Aber… nochmal gefragt… können wir hoffen? *lach*

Also, ich denke Du hast gute Chancen. Warte es mal ab, aber versprechen kann ich da nichts – wie schon erwähnt mir fehlt ne wichtige Substanz.

Der Zeitlose Stil, genau dies macht die alte Schule aus – hör Dir mal die meisten heutigen Scheiben und stell Dir mal vor wie diese in 10 Jahren wirken – am Wichtigsten war mir immer Sounds zu finden, die nicht gerade dem Zeitgeist entsprechen. Roland Geräte waren da ideale Hilfsmittel.

Da geb ich Dir vollkommen Recht! Ich bemerke auch immer wieder, wie verbissen einige darauf bedacht sind, klanglich auf Biegen und Brechen “modern” zu erscheinen. Meiner Ansicht nach die falsche Herangehensweise. Das vermittelt den Eindruck, als sei diese Musik ausschließlich nur an diese Zeit gebunden. Natürlich haben sich die Mittel verbessert, aber wirklich guten Tracks erkennt man das Alter oft gar nicht an und sie sind halt einfach immer hörbar.

Mit was bist Du heute studiotechnisch ausgerüstet?

Habe mein analoges Studio bei Ebay verkauft. Du hättest fast die ganze Rolandschiene bei mir bekommen können. Ich nutze derzeit zum Produzieren:

Cubase 4.5

Oxygen 8

Nocturne

Alesis Monitor 1

Habe 1995 mit MT auf Amiga 1200 angefangen und bin 1997 zu Emagic Logic Audio gewechselt. Als Logic für den PC nicht mehr weiterentwickelt wurde, habe ich mir Fruity Loops zugelegt, aber nach 3 Monaten wieder bei Ebay verkauft – leicht zu bedienen aber für Produzenten, die auch mal was anderes als schmutzigen Techno produzieren wollen nicht wirklich optimal. Danach hab ich mir dann Cubase zugelegt und diesem Programm die Stange gehalten.

Ich muss aber sagen, die analogen Geräte klangen Wärmer und haben sich in den Mixen wesentlich besser durchsetzten können als die meisten VST Plugins. Ich vermisse besonders meine Microwave 2, Roland JP 8000 und den Roland MKS 50 um ganz ehrlich zu sein.

Was die analogen Geräte betrifft, versteh ich Dich sehr gut! Ich fummle ja auch lieber….

Legst Du das Hauptgewicht eher wieder aufs Produzieren oder können wir mit Dir als DJ genauso rechnen in Zukunft?

Mein Hauptgewicht wird auf dem Produzieren liegen. Werde als DJ EBE Company zukünftig zu buchen sein, mein Style wird sich da zwischen Atillery, TTM, Genosha und IS bewegen.

Ich werde versuchen nicht mehr als 8-12 Bookings im Jahr als DJ bzw. Live wahrzunehmen, um das Produzieren nicht zu sehr zu vernachlässigen.

Gibt es irgendwen mit dem Du gerne in Zukunft etwas zusammen machen würdest oder sind evtl. schon einige Projekte geplant?

Ja, so einiges mit der Gabber Front Berlin, The Massacre, Jensen, Lowtek, Stromtrooper, Slavefriese und Lord Nord (Nordcore) sind bisher RMX Projekte geplant. Ich bin selbst auf die Ergebnisse sehr gespannt.

Immer mehr geht Digital über die Bühne und es wird immer weniger Vinyl produziert, gerade hier in Deutschland! Wie betrachtest Du diese Entwicklung?

Ich steuere leider dieser Entwicklung entgegen, indem ich angefangen habe als CD DJ zu werkeln. Du kannst so deine eigenen Sets Produzieren und spielst Tracks von deinen befreundeten Artists ohne auf das Vinyl zu warten – mir gefällt diese Entwicklung schon alleine aus Sicht der Raubkopien gar nicht, aber gibt es denn Alternativen?

Alternativen….. Naja, aufhalten kann man (manchmal leider) eh keine Entwicklung im technischen Bereich und ich musste meine Einstellung, gewissen Medien gegenüber auch schon mehrmals überdenken. Bleibt zu hoffen, dass immer noch genügend DJs aufs gute alte Vinyl und den Silberling zurückreifen, damit das nicht ausstirbt. Wobei man beim schwarzen Gold sicherlich mehr Bammel haben muss, als bei einer CD.

Das schicke Gespräch hat mich auf jeden Fall sehr gefreut und ich hoffe, diese Freude springt beim Lesen auch auf andere über!

Möchtest Du abschließend noch etwas loswerden? Altersweisheiten? Drogenwarnungen?

Als jemand der seit 1992 in der Technoszene unterwegs ist und noch nicht in den Genuss von chemischen Drogen gekommen ist, kann ich da schon mal keine wirkliche Warnung aussprechen.

Weisheiten? „Mache dich niemals zur Hure der Musikbranche!“

Denke, wenn man sich an diese Regel hält wird man auch erfolgreich sein und behält seinen eigenen Style der die Trends übersteht.

Das Interview hat mir auch sehr viel Spaß gemacht, Danke für Euer Interesse an meiner Person.

Danke Dir auch und bis zum nächsten Bier in der „Realität“ ;)

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